heute war der intensivste und zugleich der konditionsreichste Tag der ganzen Reise: denn der Ölberg und die Altstadt von Jerusalem standen auf dem Programm - nicht nur bei uns, sondern auch bei Tausenden von Pilgern aus allen Kontinenten sowie bei allen Juden, die den Sabbat (Foto-Verbot überall) begehen wollten. Daher waren alle Sehenswürdigkeiten von Menschenmassen durchdrungen.
Die Altstadt ist gerade mal einen Quadratkilometer groß und dennoch haben wir es geschafft, 10 Kilometer dort unterwegs zu sein. Die Kirche der Nationen auf dem Ölberg, ein römisch-katholischer Prunkbau aus dem 20 Jahrhundert mit dem Garten Gethsemane war unser Ausgangspunkt, von wo aus wir eine atemberaubende Aussicht auf den Tempel von Jerusalem hatten. Es handelt sich hierbei um den dritten Tempel, der für Muslime eines der höchsten Heiligtümer darstellt. Die Klagemauer wiederum gehört zum zweiten Tempel von Herodes und ist eine religiöse Stätte der Juden. Ganz zu schweigen von der Grabeskirche, die die armenisch-apostolische, die äthiopisch-orthodoxe, die griechische, die koptische, die römisch-katholische sowie die syrisch-orthodoxe Glaubensrichtung beherbergt. Hier habe ich auch zum ersten Mal in einer Kirche Polizisten mit Maschinengewehren gesehen. Also die Altstadt von Jerusalem ist echt der Nabel der Welt in Sachen religiöses Multikulti und noch dazu auf so engem Raum - kein Wunder, dass es manchmal zum Pulverfass wird.
Wir sind dann den Kreuzweg nachgegangen entlang der Via Dolorosa, der mitten im Bazar seine Stationen hat. Wieder einmal half mir ein wenig meine Nase weiter: während im jüdischen Teil Jerusalems der Geruch von Myrrhe dominierte, war im christlichen Teil Weihrauch dominant und im arabischen der Geruch von Gewürzen und Wasserpfeifen. Es war sehr anstrengend, den ganzen Tag mit den Menschenmassen klar zu kommen, aber wie ein Chamäleon habe ich mich angepasst mit meiner langen Hose, dem Schultertuch, v.a. aber mit meinem Respekt gegenüber allen Glaubensrichtungen.
So wurde ich auch mit einem sehr intimen Moment an der Klagemauer belohnt. Ich trug ein paar meiner Anliegen vor und plötzlich schluchzte ich hemmungslos wie ein Kind und wusste gar nicht, wie mir geschah. Ich lehnte an dieser Mauer, die meine Stirn kühlte und alles Schwere von mir nahm. Ich hatte keinen Zettel mit Wünschen oder Gebeten dabei, um ihn wie die Gläubigen in die Mauerritze zu stecken. Ich gehöre keiner Religion an, hatte nichts dabei und doch traf es mich völlig unvorbereitet mit einer unglaublichen Wucht direkt ins Herz. Ich kann euch auch nicht sagen, was „es“ war, aber es hat gut getan. Ich habe es einfach als Geschenk angenommen. Danach habe ich in Grabeskirche eine Kerze für euch alle angezündet, ganz gleich welcher Religion ihr angehört, denn das spielt an diesem Ort keine Rolle. Hier zählt nur der Mensch.
Shalom, eure Maggie


















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen