Sonntag, 8. September 2019

GESCHICHTEN ERZÄHLEN UND GESCHICHTE SCHREIBEN

Hallo ihr Lieben,
heute morgen sind wir zum Schrein des Buches mit Fragmenten der Qumran-Schriftrollen aufgebrochen und am Eingang des Hotels warteten schon slowakische Fahrradfahrer, um über 100 Kilometer nach Jericho zu radeln. Sie fahren im Trikot des italienischen katholischen Priesters Don Bosco. Bei diesen Temperaturen versetzt Glaube wirklich Berge!
Für mich waren die Schriftrollen von Qumran ein spektakuläres Erlebnis. Das Dach des Schreins ist dem Deckel eines Tonkrugs nachempfunden, da die Rollen in Krügen gefunden wurden. Der Eingang wirkt wie ein Tresor und in der Mitte steht eine überdimensionale Gebetsmühle mit den Schriften, von denen ich schon berichtet hatte. Das Gebäude selbst ist ein architektonisches Meisterwerk, die Schriften bescherten mir einen Gänsehaut-Moment. Das Schreiben von Geschichten und ihre Überlieferung sind wohl ein Grundbedürfnis des Menschen. Ich habe gestaunt, wie der Glaube auch diese Menschen schon lang vor Christi Geburt beflügelt hatte. Viele Hymnen sind hier verfasst, die sich mit dem Guten und Bösen beschäftigen und ein demütiges Leben empfehlen. Den Dualismus im Denken der Menschheit hat es schon immer gegeben.
Danach sind wir zum Mahnmal Yad Vashem gefahren, wo die Geschichte des Holocausts dokumentiert ist. Für mich ging der Besuch unter die Haut, da meine Vorfahren sowohl aus Polen als auch aus Deutschland stammen. Ich konnte viele Dokumente in den Originalsprachen studieren und auch das Schicksal meiner Stiefoma, die Auschwitz überlebte, besser nachempfinden. Ihre Ursprungsfamilie kam dort um und sie heiratete dann ein zweites Mal meinen Opa. Meine Mama und ihre Geschwister wurden von ihr großgezogen. Dieser Ort hat mich tief berührt, da er meine eigene Familiengeschichte widerspiegelt. Für viele Juden, die vergast worden sind, wurden Bäume gepflanzt und daneben Schilder mit den Namen angebracht - so leben sie weiter.
Letzter Programmpunkt war heute die Geburtsgrotte von Jesus. Da wo einst ein Stall stand, ragt heute eine Kirche in den Himmel. Zur Kirche gelangt man über ein arabisches Einkaufszentrum und schon der Weg nimmt einem den ganzen Zauber. Aber ich will mich nicht beschweren, denn ich hatte heute meine ganz persönlichen Erlebnisse. Nun heißt es Koffer packen, denn um 2 Uhr nachts werden wir schon vom Hotel abgeholt. Dann fliege ich mit Katharina, Jenny, Ellen und Remo nach München, Gisela muss ich heute noch einmal herzen, denn sie fliegt nach Frankfurt.
Ich wünsche euch morgen einen guten Wochenstart und mir selbst einen ruhigen Flug nach Hause,
eure Maggie
















Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen